{"id":730,"date":"2025-09-25T13:11:51","date_gmt":"2025-09-25T11:11:51","guid":{"rendered":"https:\/\/blog.bis.uni-oldenburg.de\/uniarchiv\/?p=730"},"modified":"2025-10-14T15:16:00","modified_gmt":"2025-10-14T13:16:00","slug":"bericht-zum-zustandekommen-meiner-archiv-bestaende-meyer","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/blog.bis.uni-oldenburg.de\/uniarchiv\/bericht-zum-zustandekommen-meiner-archiv-bestaende-meyer\/","title":{"rendered":"Ein kurzer Bericht zum Zustandekommen meiner Archiv-Best\u00e4nde (Hilbert Meyer, Prof. em. f\u00fcr Schulp\u00e4dagogik an der Fakult\u00e4t I)"},"content":{"rendered":"<p>2025 habe ich 22 Umzugskartons mit 129 Ordnern und 114 vollgeschriebenen Kladden an das Archiv der Carl von Ossietzky Universit\u00e4t Oldenburg \u00fcbergeben. Es war f\u00fcr mich im \u201ezarten\u201c Alter von 83 Jahren ein gro\u00dfes Vergn\u00fcgen, aus diesem Anlass 65 Jahre meiner eigenen Ausbildung, meiner Berufs- und Hochschullehrert\u00e4tigkeit noch einmal an mir vor\u00fcber ziehen zu sehen.<\/p>\n<p>Vorz\u00fcglich begleitet wurde ich bei der Zusammenstellung der Dokumente und Archivalien von Kirsten Sturm, Mitarbeiterin im Uni-Archiv. Das Foto zeigt sie bei ihrem letzten Besuch in der Kastanienallee neben einem kleineren Teil der Umzugskartons. Sie war es auch, die mich gebeten hat, diesen kurzen Bericht zu schreiben. Eine pingelig genaue Auflistung aller in das Archiv gewanderten Dokumente gibt es in einer Extra-Datei bzw. im Archivinformationssystem Niedersachsen und Bremen (Arcinsys) unter der Bestandssignatur 28230.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.bis.uni-oldenburg.de\/uniarchiv\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Kartons_Meyer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-778 size-full\" src=\"https:\/\/blog.bis.uni-oldenburg.de\/uniarchiv\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Kartons_Meyer.jpg\" alt=\"\" width=\"846\" height=\"564\" srcset=\"https:\/\/blog.bis.uni-oldenburg.de\/uniarchiv\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Kartons_Meyer.jpg 846w, https:\/\/blog.bis.uni-oldenburg.de\/uniarchiv\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Kartons_Meyer-300x200.jpg 300w, https:\/\/blog.bis.uni-oldenburg.de\/uniarchiv\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Kartons_Meyer-768x512.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 846px) 100vw, 846px\" \/><\/a><\/p>\n<p><strong>Ordnung herzustellen macht Spa\u00df!<\/strong> Noch nie vorher waren meine Leitzordner so sorgf\u00e4ltig sortiert wie es nun der Fall ist. Gr\u00fcndlich aufzur\u00e4umen und die Familie, die Kolleg:innen und Freunde in diesen Prozess einzubeziehen, hat bei mir keineswegs Wehmut ausgel\u00f6st \u2013 es hat einfach Spa\u00df gemacht!<\/p>\n<p><strong>Zu viel?<\/strong> Allein die Auflistung aller ans Archiv \u00fcbergebenen Dokumente ist 45 Seiten lang. Ich war erschrocken, wieviel es geworden ist. Frau Sturm hat mich beruhigt und gesagt: \u201eWir hatten schon Hochschullehrende, die noch mehr abgeliefert haben.\u201c Also habe ich alles zusammengestellt, was mir selbst interessant und aussagekr\u00e4ftig zu sein scheint.<\/p>\n<p><strong>Wer soll das alles lesen?<\/strong> Ich wei\u00df es nicht. Und ich spekuliere auch nicht dar\u00fcber, weil mir klar ist, dass ich mit ziemlicher Sicherheit daneben tippen w\u00fcrde, welche meiner Dokumente irgendwann von irgendjemandem angesehen werden k\u00f6nnten.<\/p>\n<p><strong>Es war ein Berg an Arbeit: <\/strong>Das Ordnen, Sortieren und Aussortieren hat mit kurzen Unterbrechungen f\u00fcr andere Arbeiten knapp drei Monate gedauert \u2013 auch weil ich vieles von dem, was sich in 65 Jahren angeh\u00e4uft hat, erneut und einiges sogar erstmals gelesen habe.<\/p>\n<p><strong>Was ist an das Archiv \u00fcbergeben worden?<\/strong> In der Datei wird auf 45 Seiten detailliert aufgelistet, welche Daten und Dokumente ich \u00fcbergeben habe. Deshalb nur wenige Hinweise in diesem Kurzbericht. Aufgenommen wurden:<\/p>\n<ul>\n<li><strong>Pers\u00f6nliche Dokumente:<\/strong> Originale der Geburts-, Tauf- und Konfirmationsurkunden, die Grundschul- und Sekundarstufen-Zeugnisse; mein Abiturzeugnis, zwei Lehramtsexamina, Magister- und Promotionsurkunde, Ernennungsurkunde zum Professor, Entpflichtungsurkunde. Vor der Abgabe der Originale habe ich meine vier Kinder gefragt, ob sie damit einverstanden sind, dass ich die Originale an die Uni gebe. Sie haben es begr\u00fc\u00dft und ich habe ihnen erz\u00e4hlt, was mein verstorbener Freund Ewald G\u00e4\u00dfler, damals Direktor des Stadtmuseums Oldenburg, mir vor 20 Jahren klar gemacht hatte: \u201eNachl\u00e4sse zerteilt man nicht!\u201c<\/li>\n<li><strong>ELAB:<\/strong> Von 1975 bis 1985 habe ich mich f\u00fcr den Modellversuch zur Einphasigen Lehrerausbildung stark gemacht. Deshalb liegt hier ein Schwerpunkt der \u00fcbergebenen Dokumente: meine ersten Vorlesungen; mehrere Kladden zur Mitwirkung in ELAB-Projekten, Kladden mit Unterrichtsmitschriften, die ich bei Unterrichtsbesuchen von Studierenden gemacht habe; Stundenentw\u00fcrfe zu den unterrichtspraktischen ELAB-Pr\u00fcfungen \u2013 sie geben ein reiches und realistisches Bild dazu ab, wie Studierende und Quasi-Referendar:innen in den 1970er und 1980er Jahren unterrichtet haben.<\/li>\n<li><strong>Vorlesungs- und Vortragsskripte:<\/strong> Sie f\u00fcllen ein Dutzend Leitzordner. Deshalb ein Dank an das Druckzentrum der Uni Oldenburg. Die Kolleg:innen dort haben geduldig \u00fcber Jahrzehnte hinweg meine Vorlesungsmanuskripte und Vortr\u00e4ge gedruckt. Ein kleinerer Teil davon wandert nun in das Archiv.<\/li>\n<li><strong>Akademischer Briefwechsel:<\/strong> In 19 Ordnern habe ich dem Archiv meinen akademischen Briefwechsel \u00fcbergeben. Sollte ich nochmals hineinschauen m\u00fcssen, habe ich ja jederzeit ein Zugangsrecht.<\/li>\n<li><strong>Artefakte:<\/strong> Ich habe dem Archiv auch einige \u201eArtefakte\u201c \u00fcbergeben: den ausgestopften Igel, den ich in zahllosen Vorlesungen und Seminaren eingesetzt habe; den \u201eSprechstein\u201c, den ich in Gespr\u00e4chsrunden und als Taktgeber bei der Gruppenarbeit genutzt habe. Auch der Doktorhut, den ich bei der Ehrenpromotion an der Turku Universit\u00e4t in Finnland (2022) erhalten habe, ist nun im Archiv(den dazu geh\u00f6rigen Degen wollte mein Enkel haben \u2013 deshalb ist er nicht mit in die Uni gewandert). Ich m\u00f6chte andere Kolleg:innen der Uni, die das Vergn\u00fcgen gehabt haben, einen Dr. h.c. zu erhalten, ermuntern, den Hut ebenfalls der Uni zu vermachen. Das k\u00f6nnte eine sch\u00f6ne Sammlung werden!<\/li>\n<\/ul>\n<p><a href=\"https:\/\/blog.bis.uni-oldenburg.de\/uniarchiv\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Meyer_Igel.png\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone wp-image-779 size-medium\" src=\"https:\/\/blog.bis.uni-oldenburg.de\/uniarchiv\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Meyer_Igel-300x173.png\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"173\" srcset=\"https:\/\/blog.bis.uni-oldenburg.de\/uniarchiv\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Meyer_Igel-300x173.png 300w, https:\/\/blog.bis.uni-oldenburg.de\/uniarchiv\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Meyer_Igel-1024x590.png 1024w, https:\/\/blog.bis.uni-oldenburg.de\/uniarchiv\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Meyer_Igel-768x443.png 768w, https:\/\/blog.bis.uni-oldenburg.de\/uniarchiv\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Meyer_Igel.png 1216w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/a><\/p>\n<ul>\n<li><strong>China-Kooperation:<\/strong> Ich bin 2006 das erste Mal zu Vortr\u00e4gen nach China eingeladen worden; sechs weitere Reisen folgten. Trotz der Mahnungen des KP-Chefs Xi Jinping, nicht so viele Westkontakte zu pflegen, entwickelte sich die Kooperation pr\u00e4chtig. Das ist auch daran abzulesen, dass wir inzwischen sechs Konferenzen zum chinesisch-deutschen Didaktik-Dialog durchgef\u00fchrt haben \u2013 abwechselnd in Shanghai und Oldenburg, in Wuhu (Provinz Anhui) und am IPN in Kiel. Auf deutscher Seite wurden diese Konferenzen ma\u00dfgeblich von mir vor- und nachbereitet. Entsprechend viele Materialien sind angefallen.<\/li>\n<\/ul>\n<p>Nicht in den Archivbestand sind von mir aufgenommen:<\/p>\n<ul>\n<li><em>Gutachten:<\/em> Examensgutachten, Noten f\u00fcr Masterarbeiten, Promotions- und Habilitationsgutachten, Gutachten f\u00fcr Berufungen habe ich nicht aufgenommen. Sie d\u00fcrften \u00fcber die Fakult\u00e4ts- und Institutsleitungen archiviert werden. Au\u00dferdem bleiben sie noch einige Jahre lang vertraulich.<\/li>\n<li><em>Digitale Dokumente:<\/em> Ich habe nur einen kleinen Teil der digitalen Dokumente (Briefwechsel, Vorlesungsmanuskripte, Seminarplanungen, Fortbildungen) ausge-druckt und in die Ordner aufgenommen. Deshalb stammt die Mehrzahl der dem Archiv \u00fcbergebenen Dokumente aus den Jahren 1975 bis circa 2000.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Datenschutzrechtliche Sichtung<\/strong>: Sicherlich d\u00fcrfen nicht alle Dokumente ab sofort \u00a0\u00f6ffentlich zug\u00e4nglich gemacht werden, z.B. der Ordner, in dem ich meinen pers\u00f6nlichen Briefwechsel zu Querelen im Fachbereich 1 bzw. in der Fakult\u00e4t I oder der ganzen Uni gesammelt habe. Die Entscheidung, was wie lange aus Rechtsgr\u00fcnden vertraulich bleiben muss, \u00fcberlasse ich dem Uni-Archiv.<\/p>\n<p><strong>Heftklammern \u2013 nein danke!<\/strong> Da uns auf einer Info-Veranstaltung des Uni-Archivs dezent beigebracht worden ist, dass Heftklammern in allen Dokumenten samt und sonders entfernt werden m\u00fcssen, weil sie in 100 Jahren Archivaufenthalt vollst\u00e4ndig korrodieren w\u00fcrden, habe ich allein mit deren Beseitigung mehrere Tage zugebracht und die Fingern\u00e4gel strapaziert, bis ich mir f\u00fcr 3,95 Euro einen Heftklammer-Entferner gekauft habe.<\/p>\n<p><strong>Klarsichtfolien \u2013 nein danke!<\/strong> Ich war wie Hans-Jochen Vogel ein Klarsichtfolien-Fan. Sie sind im Uni-Archiv unerw\u00fcnscht, weil sie \u00fcber die Jahre die Druckerschw\u00e4rze aufsaugen, was ich an 50 Jahre alten, nie wieder angefassten Briefen auch selbst gesehen habe. Ich habe alle Folien entfernt. Ein Berg von sch\u00e4tzungsweise 3000 Klarsichtfolien \u2013 niemand wollte sie haben. So wanderten sie alle in den Gelben Sack.<\/p>\n<p><strong>Keine B\u00fccher<\/strong>! Gunnar Zimmermann, Leiter des Archivs, war vor einem guten Jahr aus anderem Anlass bei mir im Hause. Ich habe ihn auf meine Archiv-Absichten angesprochen. Er sagte: \u201eB\u00fccher sind unerw\u00fcnscht! Wir archivieren nur Unver\u00f6ffentlichtes, z.B. Vorlesungen, den akademischen Briefwechsel und gern auch Ihre Kladden.\u201c Dass B\u00fccher nicht \u00fcbernommen werden, hatte mir schon vor 20 Jahren Oliver Schoenbeck von der Uni-Bibliothek gesagt. Auch das BIS l\u00e4sst sich keine Buchbest\u00e4nde schenken. Die gut nachzuvollziehende Begr\u00fcndung: B\u00fccher, die die Hochschullehrenden bei sich zu Hause haben, haben sie gr\u00f6\u00dftenteils auch in der Uni-Bibliothek anschaffen lassen.<\/p>\n<p><strong>Eine private Fachbuchsammlung aufzul\u00f6sen, ist harte Arbeit!<\/strong> Ich habe erstmals durchgez\u00e4hlt, wie viele Fachb\u00fccher ich besitze und war selbst \u00fcberrascht: Es sind 4600 St\u00fcck. Hinzu kommen noch circa 1000 B\u00fccher Belletristik, Geschichte, Politik, Reisef\u00fchrer und anderes mehr. Wohin damit? Keiner der vielen Sechzig- bis Achtzigj\u00e4hrigen, die ich kenne, will von mir B\u00fccher geschenkt bekommen. Sie wollen eher ihre eigenen B\u00fccher loswerden. Hin und wieder gelingt es mir, Doktorand:innen etwas zu schenken. Also wird der Gro\u00dfteil der B\u00fccher wohl in der Tonne landen. Eine Ausnahme: Ich habe drei Jahrzehnte lang auf dem Oldenburger Flohmarkt alte Schulb\u00fccher gesammelt. Zusammen 120 St\u00fcck, die zwischen 1750 bis 1900 erschienen sind. Ich konnte sie der Landesbibliothek Oldenburg am Pferdemarkt vermachen.<\/p>\n<p><strong>\u201eEinst\u00fcrzende Neubauten\u201c:<\/strong> Auf der Homepage der Fakult\u00e4t I und nun auch ausgedruckt im Archiv finden Sie einen 100 Seiten langen illustrierten Bericht \u00fcber meine Hochschullehrert\u00e4tigkeit an der Carl von Ossietzky Universit\u00e4t. Die \u00dcberschrift lautet: \u201eBefriedigende Arbeit in Einst\u00fcrzenden Neubauten\u201c. Damit will ich ausdr\u00fccken, dass auch dann, wenn etwas anders realisiert wird, als man es sich ertr\u00e4umt hatte, sinnvolle p\u00e4dagogische Arbeit in den Lehramtsstudieng\u00e4ngen m\u00f6glich ist.<\/p>\n<p><em>Zum Schluss:<\/em> Ich m\u00f6chte mit diesem Bericht alle Universit\u00e4tsangeh\u00f6rigen, die in meiner Alterslage angekommen sind, ermutigen, mit dem Uni-Archiv Kontakt aufzunehmen und sich schlau zu fragen, was von ihren Dokumenten f\u00fcr das Archiv von Interesse sein k\u00f6nnte.<\/p>\n<p>Autorenschaft: <img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"alignnone size-medium wp-image-780\" src=\"https:\/\/blog.bis.uni-oldenburg.de\/uniarchiv\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Meyer_Unterschrift-300x55.jpg\" alt=\"\" width=\"300\" height=\"55\" srcset=\"https:\/\/blog.bis.uni-oldenburg.de\/uniarchiv\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Meyer_Unterschrift-300x55.jpg 300w, https:\/\/blog.bis.uni-oldenburg.de\/uniarchiv\/wp-content\/uploads\/2025\/09\/Meyer_Unterschrift.jpg 456w\" sizes=\"auto, (max-width: 300px) 100vw, 300px\" \/><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>2025 habe ich 22 Umzugskartons mit 129 Ordnern und 114 vollgeschriebenen Kladden an das Archiv der Carl von Ossietzky Universit\u00e4t Oldenburg \u00fcbergeben. 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