
Foto: Wilfried Golletz
In den vergangenen vier Jahren hat die Jungfräiske Mäinskup e. V. den umfangreichen Nachlass des Frisisten Dr. Marron C. Fort (* 24.10.1938 in Boston; † 18.12.2019 in Leer) ausgewertet, der im Universitätsarchiv Oldenburg verwahrt wird Dr. Fort hatte sich Zeit seines Lebens dem Ostfriesischen Platt und dem Saterfriesischen verschrieben und beherrschte beide Sprachen fließend. Eines seiner erklärten Ziele war das Verfassen eines Handbuchs der ostfriesischen Mundarten, welches er jedoch vor seinem Tod nicht mehr fertigstellen konnte.
Dementsprechend hinterließ er wertvolles, unveröffentlichtes Werkstattmaterial zu zahlreichen ostfriesischen Orten und Landstrichen, welches im Zeitraum von 1989 bis zwei Jahre vor seinem Tod im Jahr 2017 erfasst wurde. Die Aufzeichnungen decken Aurich, Baltrum, Borkum, Dornum, Esens, Großefehn, Juist, die Krummhörn, Langeoog, Leer, Norden, Norderney, Oldersum, Remels, Rhauderfehn, das Rheiderland, Spiekeroog, das Südbrookmerland, Wangerooge und Westoverledingen ab. Als wissenschaftliche Vergleichspunkte zum Ostfriesischen Platt erfasste Fort zudem das Gronings aus Middelstum, das Butjenter Platt aus Tossens und Seefeld sowie das Grafschafter Platt aus der Grafschaft Bentheim. Ergänzend kommt saterfriesisches Werkstattmaterial aus Ramsloh und Scharrel hinzu, das er im Rahmen seiner Arbeit zum Saterfriesischen Wörterbuch oder zur Saterfriesischen Volkskunde erarbeitete.
Das Material zu den ostfriesischen Dialekten besteht in der Regel aus Textproben und einem Grundwortschatz-Fragebogen, der etwa 3.000 Vokabeln umfasst. Ein besonderer Schatz des Nachlasses sind die rund 200 Tonbänder mit circa 350 Stunden Aufnahmezeit. Auf diesen hielt Dr. Fort die Sitzungen mit seinen Gewährspersonen fest, während er mit ihnen auf Ostfriesischem Platt oder Saterfriesisch kommunizierte.

Foto: Kirsten Sturm
Nachdem im August 2021 zunächst die Digitalisierung der schriftlichen Aufzeichnungen begann und diese im weiteren Verlauf ausgewertet wurden, konzentrierte sich die Arbeit im Jahr 2025 auf die Erschließung der Tonaufnahmen. Für das Universitätsarchiv wurden dabei wichtige Metadaten erfasst, wie etwa die behandelten Gesprächsthemen oder die jeweils verwendete Sprache.
Die intensive Auswertung dieser Daten kam direkt dem Projekt oostfraeisk.org zugute. Das Wörterbuch wird von der Jungfräiske Mäinskup, einem Mitgliedsverein des Oostfräisk Instituut, betrieben und konnte durch die Aufzeichnungen von Dr. Fort massiv vorangebracht werden. So konnten nicht nur detaillierte Informationen zu den ostfriesischen Dialekten eingearbeitet, sondern auch spezifische, nur lokal bekannte Wörter dauerhaft in das Online-Wörterbuch aufgenommen werden.
Wir bedanken uns beim Universitätsarchiv für das entgegengebrachte Vertrauen sowie posthum bei Dr. Marron C. Fort für seinen über 30-jährigen Einsatz für die ostfriesische Sprache, dessen Früchte nun glücklicherweise bewahrt bleiben.
