Alles andere als langweilig war mein zehnwöchiges Praktikum im Universitätsarchiv Oldenburg. Davor hatte ich tatsächlich noch nie etwas mit Archiven zu tun.
Das Archiv ist nicht ausgeschildert, kann nicht einfach so besucht werden – wie etwa die Universitätsbibliothek – und selbst mit Termin könnte man nicht in den Magazinen stöbern. Deshalb ist es vielleicht etwas weniger verwunderlich, dass ich trotz Studiums an dieser Universität nichts von der Existenz des Universitätsarchivs wusste, bis ich mich gezielt auf die Suche machte. Hier liegt es mir am Herzen, zu betonen, dass eine Nutzung des Archivs ausdrücklich erwünscht ist. Archive stehen im Dienst der Öffentlichkeit – ihre Existenz liegt darin begründet. Allerdings erfolgt die Nutzung über Recherche, Beratung durch die Archivmitarbeitenden und die Sichtung von Archivgut im Lesesaal oder über digitale Zugänge.
Über die Webseite des Universitätsarchivs gelangte ich zu den Kontaktdaten [1] und war gleich beruhigt, dass es nicht unbedingt ein Geschichtsstudium braucht, um in einem Archiv tätig zu sein [2]. Geschichtliches Interesse und Interesse für Geschichten sind aber sicherlich förderlich. Mein Praktikum war sehr strukturiert, hervorragend betreut und äußerst vielfältig. Es bestand aus einer Mischung aus Arbeiten am PC und praktischen Tätigkeiten.
So durfte ich Dateien von Disketten aus einem Professorennachlass auslesen und tabellarisch erfassen, Schriftgut und Dias digitalisieren, Personendaten für das Oldenburger Lehrendenverzeichnis recherchieren (wird gerade aufgebaut) oder unter Aufsicht Archivgut ausheben und reponieren, d.h. im Magazin entnehmen und wieder an denselben Ort zurücklegen.
Zum ersten Mal begegneten mir Begriffe wie „Findbuch“, „Archivtektonik“, „Archivsprengel“, „reponieren“ oder „Born Digitals“ [3]. Eine neue Welt tat sich auf.
Außerdem lernte ich, wie Personalakten in der Archivdatenbank Arcinsys verzeichnet werden. Hierfür werden verschiedene Daten aus der Akte erschlossen. Die Akten selbst müssen entmetallisiert werden, also von Büro- und Tackerklammern usw. befreit werden. Viele davon waren schon verrostet und hatten den Rost auf das Papier übertragen. Für die Entfernung gibt es spezielles Werkzeug. Auch jegliches Plastik (z. B. Folien, Ringheftung) sollte entfernt werden. Am Ende wird die lose Blättersammlung in der vorliegenden Ordnung in eine Archivmappe aus säurefreiem und alterungsbeständigem Kartonpapier gelegt und mit Stempel und Signatur versehen. Mehrere Mappen füllen einen Archivkarton, der wiederum nach einem bestimmten Ordnungsprinzip im Magazin zur Langzeitaufbewahrung einsortiert wird.

Zudem wurde mit dem Buch „Praktische Archivkunde“ gearbeitet [4], welches einen Einstieg in das Archivwesen bietet: von Schriftgutverwaltung, Überlieferungsbildung, Bewertung, Übernahme und Erschließung bis Bestandserhaltung, Informationstechnologien, Datenschutz und Öffentlichkeitsarbeit.
Während meines Praktikums habe ich auch an einer historischen Campusführung teilgenommen, die mehrmals im Jahr für die interessierte Öffentlichkeit angeboten wird und sich gut in die Auseinandersetzung mit dem Archiv als historischem Gedächtnis der Universität einfügte.
Mir hat die Mischung aus praktischer Tätigkeit und der Arbeit mit Ordnungssystemen, Tabellen, der Archivdatenbank, Rechercheaufgaben und inhaltlicher Erschließung außerordentlich gut gefallen. Ein Praktikum im Universitätsarchiv Oldenburg kann ich Interessierten nur empfehlen.
Quellenangaben:
[1] Universitätsarchiv Oldenburg: https://uol.de/uni-archiv (abgerufen am 11.12.2025)
[2] Ausbildungsberufe an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg: https://uol.de/berufsausbildung/ausbildungsberufe/fachangestellter-fuer-medien-und-informationsdienste-archiv (abgerufen am 11.12.2025)
[3] Terminologie der Archivwissenschaft: https://forschung.archivschule.de/terminologie/index.html; https://pro.deutsche-digitale-bibliothek.de/glossar/born-digital (abgerufen am 11.12.2025)
[4] Marcus Stumpf und Hans-Jürgen Höötmann (Hrsg.): Praktische Archivkunde. Ein Leitfaden für Fachangestellte für Medien- und Informationsdienste – Fachrichtung Archiv. Münster 2018.